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EDVR TALK: OpenUSD & Schröder

Kurz und launig Zusammenfassen eines langen Talkes

Gerhard  Schröder (viSales GmbH) ist der Experte für OpenUSD in Deutschland, Stephan Sorkin hält OpenUSD für einen spannenden Ansatz, viele Probleme in den Produktpipelines der Industrie, aber auch in der XR-Welt zu lösen, und würde sich wünschen, wenn, nicht nur Apple OpenUSD unterstützen würde. Über die Geschichte, die Protagonisten, den Nutzen, die Anwendungen unterhalten sich beide zwei Stunden lang. Das ist viel Material, braucht viel Zeit, und jeder ist eingeladen, dem Gespräch zu folgen.

Wer eine Zusammenfassung haben möchte, die etwas tiefer geht, aber trotzdem den Gesprächsverlauf wiedergibt, der findet hier diese Zusammenfassung. Ich gebe zu, mithilfe von NotebookLM erstellt. Aber nochmal durch verschiedene Aspekte ergänzt, die wichtig sind.

Eine zweite Quelle ist, eine hoffentlich wachsende Quell- und Linkliste, die zum Selbststudium und zur Recherche einlädt.
https://www.zotero.org/groups/6570029/edfvr_openusd/library

Was ist OpenUSD?

  • Definition: OpenUSD ist eine universelle Szenenbeschreibungssprache, die ursprünglich von Pixar entwickelt und 2015 vorgestellt wurde.
  • Zielsetzung: Pixar wollte damit die Möglichkeit schaffen, einen gesamten Kinofilm in einer einzigen Datei zu verwalten.
  • Standardisierung: Mittlerweile wird der Standard von der Alliance for OpenUSD (AOUSD) unter dem Dach der Linux Foundation verwaltet, um einen herstellerübergreifenden Industriestandard (Core 1.0 wurde im Dezember 2025 verabschiedet) zu etablieren.

Die Alliance for OpenUSD (AOUSD) spielt eine entscheidende Rolle bei der Transformation von OpenUSD von einem reinen Open-Source-Projekt hin zu einem globalen, herstellerübergreifenden Industriestandard.

Hier sind die spezifischen Funktionen und Ziele der Allianz, wie sie im Gespräch erläutert werden:

  • Dachorganisation und Verwaltung: Die AOUSD wurde unter dem Dach der Linux Foundation gegründet und fungiert als die administrative Instanz, in der Marketing-Experten, Juristen und Strategen die Rahmenbedingungen festlegen. Sie steht hierarchisch über der technischen „USD Working Group“, die den eigentlichen „Maschinenraum“ der Softwareentwicklung bildet.
  • Standardisierung des Kerns: Ein wesentlicher Meilenstein war die offizielle Verabschiedung von „Core 1.0“ am 17. Dezember 2025. Dies markiert den Übergang zu einem stabilen Standard, auf den sich alle Industriepartner verlassen können.
  • Internationale Normung: Die Allianz arbeitet darauf hin, OpenUSD als internationale Industrienorm (IEEE) anerkennen zu lassen, was vergleichbar mit Standards wie der DIN-Norm in Deutschland ist.
  • Sicherung der Interoperabilität: Die AOUSD soll sicherstellen, dass die verschiedenen „Dialekte“ der Mitgliedsfirmen (wie die Ansätze von Apple und Nvidia) wieder zu einem gemeinsamen Kern zusammengeführt werden. Wer der Allianz beitritt, verpflichtet sich vertraglich dazu, diesen gemeinsamen Regeln zu folgen, um das „babylonische Sprachgewirr“ in der 3D-Industrie zu beenden.
  • Breite Branchenunterstützung: Durch die Allianz wurden auch zögerliche Schwergewichte wie Google und Microsoft eingebunden, die erst kurz vor der Fertigstellung des Standards beigetreten sind. Damit wird OpenUSD zu einer universellen Basis für Branchen von der Automobilindustrie bis hin zur Architektur und dem „Industrial Metaverse“.

Das Problem: Die „3D-Hölle“

Gerhard Schröder beschreibt die aktuelle Situation in der Industrie als „babylonisches Sprachgewirr“.

  • Daten-Fragmentierung: Es gibt zu viele proprietäre Formate (wie FBX oder OBJ), die oft nicht kompatibel sind oder bei der Konvertierung an Qualität verlieren.
  • Ineffizienz: Verschiedene Abteilungen (Konstruktion, Marketing, Service) erstellen oft eigene, redundante Datensätze für dasselbe Produkt.
  • Praxisbeispiel: Schröder nennt den Bau der Kriegsschiffe der Niedersachsen-Klasse, der sich um Jahre verzögerte, weil die Softwarelösungen der verschiedenen Projektteilnehmer nicht interoperabel waren.

Technische Vorteile von OpenUSD

  • Effizienz durch Primitives: Statt komplexe Objekte immer aus Millionen von Dreiecken aufzubauen, nutzt OpenUSD „Primitives“ (z. B. die mathematische Beschreibung eines Würfels), was Rechenzeit und Speicherplatz spart.
  • Instanziierung: Mehrfach vorkommende Objekte (z. B. Stühle in einem Raum) werden nur einmal definiert und dann referenziert, was die Dateigröße massiv reduziert.
  • Layering und Varianten: Änderungen können verlustfrei als neue Ebene („Layer“) in der gleichen Datei gespeichert werden, ohne das Originalobjekt zu zerstören.
  • Rechteverwaltung: Innerhalb eines USD-Containers können sensible Konstruktionsdaten (z. B. das Innere eines Motors) als „Top Secret“ markiert werden, während für das Marketing nur die Außenhülle freigegeben wird.

Eine Produktionskette unter Verwendung von OpenUSD zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie das aktuelle „babylonische Sprachgewirr“ der 3D-Datenformate beendet und einen durchgängigen Workflow von der Konstruktion bis zum Vertrieb ermöglicht. Anstatt für jede Abteilung (Marketing, Training, Sales) neue, redundante Datensätze zu erstellen, dient eine OpenUSD-Datei als zentrale Informationsquelle („Single Source of Truth“).

Die Produktionskette von der Wiege zum Recycling.

1. Datenerzeugung und Modellierung

Der Prozess beginnt klassischerweise in CAD-Programmen oder 3D-Modellierungstools wie Blender, Maya oder Houdini. Während viele Tools USD-Exporte anbieten, ist Houdini Solaris hervorzuheben, da es nativ intern mit OpenUSD arbeitet. Bereits in dieser Phase wird auf Skalierung und echte Größeninformationen geachtet, was für spätere Simulationen und AR-Anwendungen (z. B. passt das Gummibärchen in die Tüte?) essenziell ist.

2. Effizienz durch Primitives und Instanziierung

In der Produktionskette werden Daten massiv komprimiert – Schröder spricht davon, dass teilweise 99 % der „Luft“ aus den Dateien gelassen wird.

  • Primitives: Anstatt Millionen von Dreiecken zu speichern, nutzt man mathematische Beschreibungen (z. B. Würfel mit Höhe, Breite, Tiefe).
  • Instanziierung: Wenn ein Raum sechs identische Stühle enthält, wird die Geometrie nur einmal definiert und fünfmal referenziert, anstatt die Daten sechsmal in die Datei zu schreiben.

3. Layering und Variantenmanagement

Einer der größten Vorteile ist die Arbeit mit Ebenen (Layering). Änderungen werden verlustfrei als neue Ebenen gespeichert.

  • In einer einzigen Master-Datei können verschiedene Varianten eines Produkts (z. B. unterschiedliche Farben oder Bauteile) hinterlegt werden, ohne das Original zu zerstören.
  • Dies löst das Problem des „Versionsmarathons“, bei dem unzählige Dateiversionen (v1, v2_final_neu) den Überblick erschweren.

4. Rechteverwaltung und Metadaten

Innerhalb des USD-Containers (oft als USDZ-Zip-Archiv) können detaillierte Rechte und Informationen vergeben werden.

  • Man kann sensible Konstruktionsdaten im Inneren eines Motors als „Top Secret“ markieren, während die Außenhülle für das Marketing freigegeben wird.
  • Zusätzlich lassen sich Metadaten wie Lizenzinformationen für Texturen oder Zeitstempel direkt in der Datei (z. B. als Json-Datei) hinterlegen.

5. Multi-Channel-Distribution

Dieselbe Master-Datei wird für verschiedene Zwecke genutzt:

  • Vertrieb (Sales): Schnelle AR-Erlebnisse auf iPhones oder der Apple Vision Pro („Time to Entertainment“), damit Kunden Produkte sofort im Raum sehen.
  • Marketing: Erstellung von Renderings, Animationsvideos oder interaktiven Web-Konfiguratoren.
  • Industrie & Simulation: Nutzung im Nvidia Omniverse für digitale Zwillinge oder das Training von KI-Steuerungen für Maschinen.

6. Geschlossene Feedbackschleifen

Die Kette ermöglicht eine schnelle Reaktion auf Rückmeldungen aus der Praxis. Wenn beispielsweise eine Drohne im Feld modifiziert werden muss, fließt diese Information zurück in die Konstruktion. Da alle Abteilungen auf derselben Basis arbeiten, können die Bedienungsanleitungen, AR-Trainings und Marketingmaterialien fast zeitgleich aktualisiert werden, ohne über mehrere externe Dienstleister gehen zu müssen.

Das Ökosystem und die Akteure

Das Gespräch verdeutlicht, dass verschiedene Schwergewichte den Standard für ihre Zwecke nutzen:

  • Apple: Nutzt das Format USDZ (einen ZIP-Container), um AR-Erlebnisse nativ in das Betriebssystem zu integrieren, beispielsweise für die Apple Vision Pro oder iPhones.
  • Nvidia: Setzt OpenUSD für das Industrial Metaverse und komplexe Simulationen (Omniverse) ein.
  • Google & Microsoft: Sind der Allianz zuletzt beigetreten, was bedeutet, dass USD künftig auch auf Android und in Windows-Anwendungen (wie PowerPoint) eine größere Rolle spielen wird.

Nutzen für Unternehmen

  • Time-to-Entertainment: In Verkaufsgesprächen hilft AR (basierend auf USD), Produkten schneller ein „gemeinsames Bild“ zu geben, was den Kaufprozess beschleunigt.
  • Single Source of Truth: Es gibt nur noch eine Master-Datei, die für Renderings, Videos, AR-Anwendungen und digitale Zwillinge genutzt wird.
  • Kostenersparnis: Updates an Produkten müssen nicht mehr bei jedem externen Dienstleister einzeln teuer nachgekauft werden, da die Master-Datei einfach aktualisiert werden kann.

Drei Ebenen der Anwendung:

In seinem Gespräch mit Gerhard Schröder identifiziert Stephan Sorkin drei zentrale Ebenen bzw. Diskussionsbereiche, in denen die Anwendung von 3D-Daten und OpenUSD eine Rolle spielt. Er beschreibt diese wie folgt:

  1. Die Ebene der Produzenten: Diese umfasst Akteure, die mit 3D-Daten agieren, diese generieren und verarbeiten (z. B. Agenturen und 3D-Gestalter).
  2. Die Ebene der klassischen Industriekunden: Hierbei geht es um Unternehmen, die bereits in der Konstruktion 3D-Daten erzeugen. Sorkin betont hier die Bedeutung der gesamten Prozesskette „von der Wiege bis zum Recycling“.
  3. Die Ebene der Anwender: Dies betrifft die Endnutzer, die eine „geile Experience“ erwarten. Für sie soll das Ergebnis gut aussehen, stabil laufen und sich stetig verbessern.

Sorkin merkt dazu an, dass er insbesondere die ersten beiden Ebenen – also die Produktion und die industrielle Prozesskette – bereits für sehr ausgereift und gut hält. Er sieht in OpenUSD das Potenzial, die Transformation und den „Digital Twin“ über verschiedene Prozessketten in der Industrie hinweg (von der Entwicklung über die Konstruktion bis zum Sales) effizienter zu gestalten

Stephan Sorkin äußert sich im Talk kritisch gegenüber der starken Fokussierung von OpenUSD auf Apple-Geräte, da er eine zu große Abhängigkeit von einem einzigen Hardware-Hersteller befürchtet. Seine Kritikpunkte lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Mangelnde Hardware-Breite: Sorkin betont ausdrücklich, dass er es begrüßen würde, wenn die Endgeräte für OpenUSD nicht nur von einem Hersteller (Apple) geliefert würden, sondern das Angebot breiter gefächert wäre. Er findet es „abschreckend“, wenn Systeme zu sehr an proprietäre Strukturen gebunden sind, und wünscht sich eine stärkere Verbreitung des Standards über das Apple-Ökosystem hinaus.
  • Relevanz für die „restliche Welt“: Zu Beginn des Gesprächs hinterfragt er scherzhaft, ob Gerhard Schröder ein „Mac Fanboy“ sei und ob die besprochenen Themen auch für den Rest der Welt relevant seien. Als Windows- und Android-Nutzer ist es ihm wichtig, dass OpenUSD kein exklusives Feature für eine bestimmte Nutzergruppe bleibt.
  • Wunsch nach nativer Implementierung bei anderen: Sorkin hofft darauf, dass es nicht nur Apple gelingt, OpenUSD so tief in das Betriebssystem zu implementieren, dass keine zusätzliche Software-Schicht mehr nötig ist. Er zeigt sich gespannt, ob und wann andere Hersteller nachziehen werden, um eine echte Herstellerunabhängigkeit zu erreichen.

Tipps für den Einstieg

Für Profis und Auszubildende empfiehlt Gerhard den kostenlosen Kurs von Nvidia zu USD, um die grundlegende Philosophie zu verstehen. In Tools wie Blender kann man bereits heute mit USD-Exporten experimentieren, sollte aber auf die korrekten Skalierungen und Einstellungen achten.

Wer nicht zurechtkommt, Gerhard hat dies unvorsichtigerweise mehrmals wiederholt, der soll ihn kontaktieren.